Originalrezept:
Mit einer braunen Brüh warm abgebraten oder trucken.
Anmerkung:
Mit dem „Drappen“ ist auf ersten Blick der Waldrapp gemeint, zumindest lässt dies der markante Holzschnitt zu Beginn des Unterkapitels vermuten, der einen Vogel mit langem gebogenen Schnabel und gesträubten Federn auf dem kahlen Kopf und dem Hals darstellt.
„Rapp“ ist eine schwäbisch-alemannische Dialektbezeichnung für „Rabe“ und wurde allgemein für größere schwarzgefiederte Vögel verwendet; auch schwarze Pferde wurden als „Rappen“ bezeichnet.
Im 16. Jahrhundert kam der Waldrapp als Delikatesse noch oft auf adelige Tafeln; vor 300 Jahren war er in Europa dann so gut wie ausgerottet.
Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass mit dem „Drappen“ die (Groß)trappe gemeint ist, ein sehr großer flugfähiger Brachvogel, der durch Bejagung und vor allem die intensive Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte nun ebenfalls zu den gefährdeten Arten zählt. Da Marx Rumpolt aus der Walachei stammt, in deren Tiefebene die Großtrappe heimisch war und ist, erscheint dies durchaus möglich. Vielleicht hat also Jost Amman, der die 200 Holzschnitte für das Kochbuch anfertigte, irrtümlich den „falschen“ Vogel abgebildet?
Welcher Vogel in den Rezepten zum „Drappen“ auch immer gemeint ist: Seit geraumer Zeit gibt es für beide Vogelarten in Mitteleuropa erfolgreiche EU-Projekte zur Wiederansiedlung als Brutvögel, auch in Österreich.
Transkription:
Andrea Sobieszek
Zitierempfehlung:
Andrea Sobieszek (Transkription): "[Ein gebraten Drappen.]", in: Ein new Kochbuch (1581), Kapitel 03, Teil 03, Nr. 1,
online unter: https://www.historische-esskultur.at/rezeptforschung/?rdb_rezepte=ein-gebraten-drappen (03.04.2025).
Datenbankeintrag erstellt von Andrea Sobieszek.
In folgendem Projekt erschlossen: TCS 37 (2017-2019)